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Bericht 99.Teterower Bergringrennen

veröffentlicht am 10. Juni 2019

ADAC Internationales 99. Teterower Bergringrennen 9.Juni 2019

Kämpfe, Staub & Sensationen  -  9000 Zuschauer dabei

Alle Ergebnisse finden Sie unter:

https://www.bergring-teterow.de/ergebnisse/2019/index.html

Über 9000 Besucher reisen in die Bergringstadt, um Motorsport auf Europas schönster Grasbahn zu erleben.
9.Juni 2019, die kleinen Zeiger der Uhren steht auf 6, die großen auf 12. Himmlische Ruhe im Fahrerlager um 6:00 Uhr in der Frühe, die Sonne zeigt sich über den Baumkronen im Kellerholz. Sicherheitskräfte haben um diese Zeit schon ihren Job aufgenommen. Die ersten Türen der Wohnmobile und Reißverschlüsse der Zelte öffnen sich, verschlafene Gesichter und Frühaufsteher mit Waschtaschen unterm Arm begeben sich zur Morgentoilette. Lauscht man seinen Ohren, ist nur Vogelgezwitscher zu hören, quasi die Ruhe vor dem Sturm…
Fahrer, die erst an diesem Morgen anreisen, melden sich im Rennbüro (Race off) im DRK-Schulungsheim an, empfangen von Jens Schmidt und seinen „Damen“ ihre Unterlagen. Schnell geht´s ins Fahrerlager. 
So langsam kommt Bewegung ins Spiel: Die Garagentore der Maschinenabnahme öffnen sich, die Technischen Kommissare überprüfen die letzten Motorräder und Quads vor dem Training. In der Küche am Start & Ziel laufen die Kaffeemaschinen auf Hochtouren, Sabine Marquardt und Doris Zarpentin belegen Brötchen mit Ei, Käse, Wurst. Um 7 Uhr muss der Tisch gedeckt sein,  Rennleiter Ronny Schlaak hat zur 1. Beratung der Schiedsrichter und Rennleitung geladen. Nach Begrüßung, Bekanntgabe einiger organisatorischen Dinge und einem ersten Schluck Kaffee gibt Peter Stanislawski die Änderungen im Rennprogramm bekannt. Am Vorstart trudeln die Fahrer ein und warten auf die Besprechung mit der Rennleitung. Rund um den Ring begeben sich die Streckenposten auf ihre Positionen, alle Schiedsrichter besetzen ihre Türme. Es ist kurz vor 8 Uhr, das Training steht an. Einzelne Zuschauer sind am Ring zu sehen, man könnte sie noch persönlich begrüßen. Mechaniker schieben die Maschinen zum Vorstart, die Aktiven schlüpfen in ihre Kombis. Nachdem die Bahn gesperrt wurde, hebt Neu-Startmarschall Reimar Schwinkendorf die grüne Flagge zum ersten Trainingsdurchgang, Uwe Schumacher & Sohn öffnen wie immer die Tore zur Bahn, mit der Ruhe ist es vorbei. Endlich! Methanolgeruch liegt in der Luft, 500-er Maschinen donnern der Startberg hinauf!
Im Pressebüro begrüßt und empfängt Dr. Christian Kunz die angemeldeten Journalisten zur Besprechnung.
9:40 Uhr: Der Wasserwagen zieht nach dem Training seine Runden um den Ring, die Staubentwicklung ist enorm. Im Fahrerlager putzen Frauen oder Freundinnen der Aktiven die Motorräder, auch deren Kinder helfen mit.
Der Bergring füllt sich. An den Kassen bilden sich Schlangen, aber es geht zügig. Punkt 11 Uhr marschiert das komplette Fahrerfeld mit den Offiziellen auf die Bahn.  Bürgermeister Andreas Lange eröffnet das 99.Bergringrennen, auch Clubchef Klaus Reinders und ADAC-Sportchef Adolf Schlaak greifen zum Mikrophon. Es wird die Nationalhymne angekündigt, aber die Technik streikt! Es ist absolut still auf dem gesamten Areal, Sprecher Steffen Schulz überbrückt die Situation gekonnt. Der Zuschauer erhebt sich etwas später noch einmal von seinem Platz, beim 2.Versuch klappt es!
Wie immer trudelt gegen Mittag am Start und Ziel eine Kühlbox mit Softeis ein, seit fast 30(!) Jahren spendiert vom Eis-Cafe Sulz aus Teterow. 
Auf dem Ring herrscht jetzt Trubel und Heiterkeit – die Fahrer präsentieren sich den Fans mit ihren Maschinen und werden akribisch bejubelt.
11:45 Uhr: Der Rennleitungswagen steht mit eingeschalteter Rundumleuchte auf der Bahn und begibt sich zur Streckensicherung um den Kurs. Alle „Posten“ rund um die 1877m-Strecke sind besetzt. Uli Dürre zieht den ersten Kreidestrich unterm Startband. Am Vorstart werden die Helme aufgesetzt, noch einmal die Brillen geputzt und die Schnüre zu den Zündunterbrechern ums Handgelenk gelegt. 11:58 Uhr: „Matze“ Schrank hebt den Schlagbaum am Vorstart, die Fahrer rollen zum „LAUF DER NATIONEN“ auf die Bahn. Hauptschiedrichter Tobias Gävert drückt den grünen Knopf am Pult und ab geht die Post wie immer Punkt 12 Uhr.
Nach den ersten 4 Runden des Tages steht schon der Sieger fest. Der Bayer Manfred Knappe, ein alter Hase am Ring, gewinnt vor seinem Landsmann Stephan Katt und Paul Cooper aus England. Nach zwei Punktläufen der Speed-Crosser und deren Gewinner Erwin Mulder aus den Niederlanden und dem Deutschen Simon Schmidt, stehen weitere Punktläufe aller Klassen auf der Tagesordnung. Zwischenzeitlich legt die Rennleitung fest, alle Rennen, außer die Finals, auf Grund der Staubentwickelung auf 3 Runden zu reduzieren. Es geht zügig voran, bis jetzt kein Unfall, kein Fehlstart. Charelle Harm bringt die Listen mit den Punkteständen und Zeiten ins Fahrerlager ans sogenannte „schwarze Brett“. Die Aktiven warten schon auf ihre Platzierungen. Reicht es fürs Finale? Oder muss ich einpacken? Bei den Amazonen und Quads spielt das keine Rolle, sie absolvieren „nur“ ihre Punktläufe, hier gibt es kein Finale, alle Platzierungen zählen für die Wertung.
Die Spannung steigt! 12 Tafeln mit den Startnummern hängen am Vorstart für das Finale um das „GRÜNE BAND“. Vorjahressieger Paul Cooper möchte seinen Erfolg wiederholen. Aber auch Manfred Knappe möchte endlich einmal ganz oben stehen, und Stephan Katt befindet sich derzeit in einem absoluten Formhoch. Wer wird siegen? Auch Bergringpokalgewinner Mitch Godden gilt als Mitfavorit. Oder vielleicht Wiedereinsteiger Daniel Rath?  In der ersten Runde kommt es zu einem Rennabbruch. Der Engländer Paul Cooper stürzt eingangs der Südkurve, einige Nachfolger können gerade noch so ausweichen, um Schlimmeres zu verhindern. Unter Beifall der Fans begibt sich Cooper zu Fuß und gesund zurück ins Fahrerlager. Zum Wiederholungsstart wird der Mann von der Insel ausgeschlossen. Nach dem Restart entfacht sich ein atemberaubender Kampf um Platz 1. Einen Dreikampf, den es wohl so noch nicht gab. Knappe, Hülshorst und Katt schenken sich nichts, setzen sich zusammen vom Rest des Feldes ab. Sprecher Hans-Werner Ruge kommentiert das Geschehen bravourös, jeder Zuschauer fiebert mit! Nach 5 Runden und exakt 9385 Metern erreicht der 45-jährige Knappe als Erster die Ziellinie vor Christian „Hülse“ Hülshorst aus Lüdinghausen und „Catman“ Stephan Katt. Lokalmatador Daniel Rath verpasst knapp das Siegerpodest. Besonders freut es Ex-Rennleiter Bernd Weldner, dass Knappe es endlich geschafft hat, ganz oben zu stehen. Knappe selbst kommentiert seinen Sieg mit den Worten: „ Ein ganz besonderer Tag für mich. Ich fahre zum 20.Mal auf dem Bergring, schöner kann das Jubiläum nicht sein“.
Erste „rote Nasen“ werden gesichtet. Die Sonne meint es gut, schon den ganzen Tag. Wohl dem, der etwas zum Eincremen in seiner Tasche dabei hat.
Simon Schmidt vom Teterower MC heißt der glückliche Gewinner der Speed-Crosser. Er gewinnt souverän den Hechtjungenpokal und verbessert mehrmals den aus dem Vorjahr bestehenden Rundenrekord. Bert Dijkstra aus den Niederlanden stürzt bei einem seiner Rennen und wird ins Krankenhaus gebracht, Gute Besserung von hier aus!
Bei den Quads hat der Österreicher Klaus Fleckinger die meisten Punkte erfahren und verweist Vorjahressieger Stephan Bischoff auf Platz zwei.
Die Männer in den weißen Overals stehen vor jedem Lauf mit Startnummerntafeln für die Einweisung der Motorsportler bereit. Jeder Fahrer hat Respekt vor ihnen. Erst bei Vollzähligkeit winkt der Startmarschall die Aktiven direkt ans Startband.
Per Facebook  sitzen hunderte User direkt vor ihren Computern oder Fernsehbildschirmen. Kathleen Stief, Rennleiterin beim Auerhahnpokal, mit Herz und Seele dabei, filmt die Rennen auf ihrem Smartphone und stellt diese live ins Netz.
Ronny Schlaak schaut zufrieden auf die Uhr, alles läuft nach Plan. Der Rennleiter bestellt bei Notwendigkeit per Funk den Wasserwagen auf die Bahn. Auch werden die Meinungen der Fahrer in seiner Entscheidung mit bedacht.
„Es ist eine Augenweide, die Rennen der Amazonen zu sehen. Respekt vor den jungen Damen“, das sind die Worte von Hans-Jürgen Kowalzik aus Güstrow, Journalist bei der Schweriner Volkszeitung. Und es ist im wahrsten Sinne des Wortes so. Mit 105,42 km/h dreht die Siegerin Jessica Elsinga aus den Niederlanden ihre schnellste Runde. Mit Kränzen um den Hals stehen neben ihr die langhaarigen Amazonen Harriet Zwiers und Sylvana Postmann auf dem Podest. Bei den Youngstern gewinnt Dino Skoppek aus Schwerin vor dem Teterower Tim Volkmann.
Es ist kurz nach 17 Uhr, die Journalisten warten ungeduldig auf die Namen der beiden abschließenden Handicap-Rennen um den Speed-Cross- und Bergringpokal. Die Rennleitung zieht sich zurück, um die Startaufstellungen und Zeitvorgaben festzulegen. Dazugekommen ist Detlev Landowski. War doch der ehemalige Startmarschall immer dabei, wenn es um diese Entscheidungen ging.
Wie beim Hechtjungenpokal stehen auch beim Handicap-Rennen 15 Speed-Crosser am Start, diesmal aber in drei Reihen. Die Schnellsten aller absolvierten Läufe am Band, davor in zwei Reihen die etwas Zeitschwächeren. Bernd Weldner schickt die erste Gruppe per Deutschlandflagge auf die Reise, kurz danach bei Ampelschaltung auf Grün donnert die nächste Gruppe los. Und dann schnellt das Startband in die Höhe für die bisher Besten des Tages. Fünf Runden Aufholjagd heißt die Devise und es schafft der frischgebackene Hechtjungenpokalgewinner Simon Schmidt das Doppel, er gewinnt auch den begehrten Pokal dieses Klassikers. Die Zuschauer sind aus dem Häuschen, jubeln den Platzierten mit ihren Programmheften und Fahnen zu.
Wer noch Durst auf ein Bier hat, muss sich beeilen. Am Stand im Fahrerlager wird das Gerstengetränk so langsam knapp...
Die 12 Zeitschnellsten der Königsklasse warten auf die Laufeinteilung für den Höhepunkt des Tages, das Rennen um den 63.Bergringpokal.  Die Uhr steht auf 17:35 Uhr, der Zeitplan geht voll auf! Uli Dürre schiebt die Kreidemaschine zum letzten Mal über die Bahn.
Wie beim Heat zuvor, wird in drei Reihen gestartet. Robert Baumann erwischt aus Reihe 1 den besten Start, aus der 2.Reihe ist es u.a. Daniel Rath, der die Verfolgung aufnimmt. Aus der Position „Startband“ schafft es in den fünf Runden niemand, aufs Siegerpodest zu fahren.
Der Teterower Baumann nutzt die Gunst der Stunde. Er hat freie Sicht, kein Staub vor der Brille und sucht sich seine Ideallinie. Baumann weiß, es ist ein langer Weg zum Sieg, die Favoriten sitzen ihm auf der Pelle. Doch er zieht Runde um Runde gekonnt seine Bahn, verfolgt von Godden, Rath und Knappe. Eine Sensation bahnt sich an! Die Spannung treibt die Zuschauer von ihren Plätzen. Tatsächlich behauptet Baumann bis zum Schluss unangefochten seine Führung und gewinnt sensationell den Bergring-Pokal.  Kurz vor dem Ziel sichert sich Rath ganz knapp vor Knappe den bronzenen Rang. Die Freude ist riesig: Zwei Teterower  stehen auf dem Treppchen. Robert Baumann fuhr das Rennen seines Lebens, jeder gönnt ihm seinen Erfolg. Und Daniel Rath, seine Familie und Fans haben allen Grund zur Freude: Sein Comeback ist mehr als gelungen!
17:50 Uhr: Fast Leere auf dem Ring, die Zuschauer sind schnell verschwunden. Einige Fans und Helfer schauen betrübt ins leere Bierglas. Der Gerstensaft ist ausverkauft, die Fässer leer. Auf den Zeltplätzen wird gefachsimpelt, der Campingfan feiert noch bis in die Nacht hinein. Die Tage sind gezählt bis zur großen Jubiläumsparty im nächsten Jahr:
100.Bergringrennen – 90 Jahre Bergring Teterow – Speedway-Grand-Prix…
…ein Wochenende der Superlative 
Bis Pfingsten 2020!

Text: Peter Stanislawski
Foto: Birgit Stanislawski

Daniel Rath und der Autor dieses Berichtes unmittelbar nach dem Lauf um den Bergringpokal