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8500 Zuschauer feiern Maciej Janowski

veröffentlicht am 01. September 2019

Polnischer Doppelerfolg in der Bergringstadt
Janowski gewinnt, Zmarzlik und Madsen gleichauf an der Spitze der WM-Wertung

von Peter Stanislawski

Den Speedway-Grand-Prix-Termin Ende August in Teterow hatten sich viele Fans schon in den vergangenen Wintermonaten dick in ihrem Terminplaner angestrichen. Die Hoffnung auf besseres Wetter als im letzten und vorletzten Jahr ging Gott sei Dank voll auf. Bei hochsommerlichen Temperaturen, kurzer Bekleidung (mehr brauchte nicht ins Gepäck) und in Erwartung eines spannenden und unfallfreien Motorsportabends fanden sich am Samstag 8500 Besucher in der Bergring-Arena ein. Schon einen Abend zuvor beim Training und der Quali für die Startplatzvergabe erwarben ca. 400 Zuschauer ihr Programmheft, welches zum Zutritt in´s Speedwaystadions berechtigte. Pünktlich zu Beginn konnte der umfangreiche Bahndienst abgeschlossen werden. Schon während der Woche kamen unzählbare Wassermassen auf die Bahn,  es wurde leicht aufgegrubbert und immer wieder gewalzt. Wichtig war, dass alles zur Zufriedenheit der Fahrer und des Veranstalters und natürlich der Zuschauer ausgeführt wird. Und es ist hier ein dickes Lob und ein Dankeschön angebracht! Laut Aussagen der Aktiven befand sich die Rennstrecke schon am Freitag in einem tadellosen Zustand.
Eine Box blieb am Freitag leer im Fahrerlager, die des Wildcard-Fahrers Martin Smolinski. Der Deutsche Meister erschien nicht zum Training, Gerüchte machten die Runde wie zum Beispiel die Aussage: „Die Autobahnen sind dicht, Martin steht im Stau, schafft es nicht, pünktlich hier zu sein“. Wahr ist, dass Smolinski sich noch bis Freitagmittag auf Grund eines Sturzes eine Woche zuvor in Kroatien, von seinem Ärzte- und Physiologen-Team behandeln lies und auf Anraten dieser auf´s Training verzichtete. „Smoli“ hatte sich ordnungsgemäß beim Veranstalter abgemeldet, versichterte aber, einen Tag später am Rennen teilzunehmen. Entspannt nahmen er und sein Team die Reise von Bayern nach Mecklenburg am Freitagmittag auf, wurde auch noch am selbigen Abend in der Teterower Innenstadt „gesichtet“.
So richtig „heiß“ begann dann der 31.August. Auf`s Regenradar im Handy zu schauen machte keinen Sinn, denn kein Wölkchen war in Sicht. Die Temperaturen kletterten immer höher, gegen Mittag auf 34 Grad! Auch am Abend blieb es sehr warm, nach Veranstaltungsschluss zeigte das Thermometer noch 26 Grad an!
Gegen 16 Uhr trudelten die ersten Fahrer ein, außer Martin Smolinski, der war schon länger vor Ort. Um 15:30 Uhr saß er in voller Ausrüstung in seiner Box, wohl in der Annahme, ein Sondertraining zu erhalten??? Das konnte man jedenfalls vermuten, erwies sich aber als falsch. 30 Minuten später kam eine kurze Hose zum Vorschein, die Rennkombi hing wieder am Haken.
Punkt 17 Uhr öffneten sich die Stadiontore, Schlangen bildeten sich an den Kassen. Der Einlass ging reibungslos über die Bühne. Auch konnte ein „Menschenauflauf“ zur bevorstehenden Autogrammstunde gesichtet werden. Um 17:10 Uhr, pünktlich wie vorgeshen, bekamen die Fans ihre Stars zu Gesicht. Iversen, Doyle, Smolinski & Laguta hießen die diesmal Auserwählten und schrieben ihre Namen in Programmhefte, auf Mützen & T-Shirts. Aber auch viele Fotos wurden geschossen.
Das Stadion füllte sich zusehends, Autofahrer aus Teterow brauchten teilwiese 90 Minuten, um ihren fahrbaren Untersatz auf dem Parkplatz abzustellen. Aber jeder schaffte es, von Beginn an dabeizusein. Ab 18:50 Uhr rollten die weltbesten Speedwaystars mit ihren Motorrädern einzelnd im 20-Sekunden-Takt auf die Bahn, wurden von Moderator Michael Schubert aus Schleswig-Holstein in gekonnter Weise dem zahlreichen Publikum vorgestellt. Zuvor ergriff der Ehrengast der Veranstaltung, M/V-Innenminister Lorenz Caffier, das Wort und bedankte sich beim Veranstalter, vor allem bei derem Leiter Adolf Schlaak, für die Organisation dieses Events.
Martin Smolinski musste gleich im 1.Lauf des Tages ans Startband, konnte einen Punkt schreiben. Bei seinen weiteren Starts sprang nur der 4. und letzte Platz heraus. Im 5.Durchgang verzichtete der sichtlich angeschlagene Olchinger auf seinen Startplatz, die Schmerzen waren zu stark. Reservist Kai Huckenbeck kam zu seinem an diesem Abend einzigen Einsatz, Punkte konnte er nicht einfahren.
Der glücklichste Mann des Abends war ohne Zweifel Maciej Janowski. Der Pole brachte an diesem Abend die ausgeglichenste Leistung aufs Speedwayoval. Mit fünf 2.Plätzen zog er ins Halbfinale ein, fuhr bei diesem Lauf als Sieger vor seinem Landsmann Zmarzlik über die Ziellinie. Beide sicherten sich somit die Finalteilnahme. Im Endlauf des Tages erwischte der Ex-Team-Weltmeister einen Bombenstart von Bahn 2 (auf blau) und fuhr unangefochten seine vier Runden bis zum insgesamt 6. Grand-Prix-Sieg seiner Laufbahn. Die angereisten polnischen Fans waren völlig aus dem Häuschen, schwenkten ihre weiß-roten Fahnen. Bei der Nationalhymne für den Sieger schall es lautstark durchs Stadion. Was ein Nationalstolz!
Zmarzlik erkämpfte sich Platz zwei, Dritter wurde der Slowene Matej Zagar, Platz 4 ging an Nils-Kristian Iversen/DK. Nach der feierlichen Siegerehrung begaben sich die Helden des Abend auf ihre Ehrenrunde, während das nachfolgende Innenfeld-Feuerwerk einen fantastischen Abend ohne Stürze und bei perfekter Organisation ausklingen lies.
Sechs Punkte Rückstand hatte Bartosz Zmarzlik aus Polen auf den Dänen Leon Madsen in der
WM-Wertung nach 6 Grand-Prix-Durchgängen, bevor er die Reise nach Teterow antrat. Nach dem 2.Platz in Teterow fuhren beide punktgleich wieder ab. Es bleibt also sehr spannend bei der Vergabe des Weltmeistertitels 2019.
Sollte es dem in der Nähe von Gorzow wohnenden Zmarzlik wirklich gelingen, sich am 5.Oktober als Weltmeister kühren zu lassen, wäre es der dritte Titelgewinn eines Polen in der Geschichte des Speedwaysports. Szczakiel und Gollob heißen seine Vorgänger aus den Jahren 1973 und 2010.  Gewinnt Madsen, reiht er sich in die Liste mit Nielsen, Gundersen und Pedersen ein. Aber es sind bei drei Veranstaltungen in Vojens, Cardiff und Torun noch 69 Läufe zu absolvieren, erst dann steht der neue Champion fest!
Chancen auf den Titel rechnen sich auch noch der Russe Emil Sayfutdinov, der Schwede Fredrik Lindgren und Martin Vaculik aus der Slowakei aus. Alles ist noch möglich, denn  abgerechnet wird erst zum Schluss!

WM-Wertung nach 7 von 10 Entscheidungen
(Plätze 1-8)
Zmarzlik/PL  85 Punkte
Madsen/DK  85
Sayfutdinov/RUS 78

Lindgren/SWE  72
Vaculik/SVK 72
Dudek/PL  70
Janowski/PL  67
Laguta/RUS  57

Foto: P. Stanislawski

Der Sieger von Teterow (rechts) mit einem seiner Mechaniker bei der Bahnbegehung kurz vor dem Start