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Bergringbericht 2018

veröffentlicht am 21. Mai 2018

Der Bergring lebt…, so soll es bleiben!  Konzept für Eintagesveranstaltung geht auf

Trotz guter Wetteraussichten kamen viele Regenschirme rund um den 1877m-Kurs zum Einsatz, diesmal als Sonnenschutz! Bei idealen Bahnsport-Temperaturen verweilten 8500 Zuschauer am Pfingstsonntag auf Europas schönster Grasbahn in den Teterower Heidbergen. Durch leichten Ostwind – ganz selten auf dem Bergring – wurden diesmal die Zuschauer im Fahrerlager von den Staubfontänen in der Zielkurve „etwas“  verschont. Diese zogen immer langsam Richtung Innenring. Etwas Staub ist aber bei jedem Besucher angekommen, das konnte auch der eingesetzte Wasserwagen in den Pausen nicht verhindern. Aber das gehört zum Bahnsport wie der Schnee zum Skispringen…


Ein straffer Zeitplan stand am 20.Mai bei der 98. Auflage des Teterower Bergringrennens auf dem Programm. Sportkommissar Ludger Spils appellierte bei der Fahrerbesprechung: „Bitte haltet unbedingt den vorgesehenen Zeitplan ein“. Und dieser wurde bis zum Schluss der Veranstaltung von allen berücksichtigt. Punkt 8 Uhr öffnete Uwe Schumacher am Vorstart das Tor und die 500er-Klasse begann mit ihren Trainingsrunden. Bis 10 Uhr absolvierten alle Klassen ihre zwei Durchgänge über je insgesamt 8 Runden.
Der Bürgermeister, Dr. Reinhard Dettmann, eröffnete am späten Vormittag letztmalig die Veranstaltung. In zwei Wochen gibt er seinen „Posten“ als Stadtoberhaupt in andere Hände.

Die acht Trainingsschnellsten der sogenannten „Königsklasse“  versuchten im Rennen 1, den Rundenrekord des Engländers Simon Wigg zu „knacken“. Ihm am nächsten kam sein Landsmann Paul Cooper. Mit über 118 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit gewann der den Pokal der „Großen Acht“. Aber den Wigg-Rekord konnte er nicht brechen, da fehlten noch fast 4 km/h.

Beim ersten Höhepunkt des Tages, dem „Lauf der Nationen“, wurde Paul Cooper seiner Favoritenrolle gerecht. Er verwies Stephan Katt und Christian Hülshorst auf die Plätze. Heiß waren wie immer die Speed-Crosser. Erst beim 3.Versuch ihres ersten Vorlaufs konnten sie den Startberg hinauf donnern. Zuvor gab es zwei Fehlstarts! Der Deutsche Björn Feldt hatte „seinen Tag“ und gewann das Finale um den „Teterower Hechtjungenpokal“ vor dem Niederländer Erwin Mulder und Lokalmatador Jens Hinrichs. Der Name Feldt steht bereits in dritter Generation im Rennprogramm. Auch Vater und Opa des Siegers kennen die Grasbahn als Crossfahrer aus früheren Zeiten.

Stephan Bischoff aus Alsfeld überzeugte bei den Quads und siegte als Punktbester vor Klaus Fleckinger aus Österreich. Platz 3 erkämpfte sich der Garzer Karsten Fiebing.

Nach Teterow kamen auch 5 junge Damen, um einen Pokal beim „Amazonen-Cup“ zu ergattern. Die Holländerin Jessica Elsinga – nicht zum ersten Mal dabei – siegte vor ihrer Landsmännin Iris Meindertsmann und Jessica Blaschke aus Schwerin. Mit ihnen am Start standen zwei Youngster auf ihren 125ccm-Maschinen. Dino Skoppek holte hier den Sieg, sehr zur Freude seines Vaters Guido.

 

Dritter Paukenschlag für den Engländer Paul Cooper! Auch beim Rennen um das „Grüne Band“ konnte ihm keiner das Wasser reichen. Von Anfang an beherrschte er das Fahrerfeld über 4 Runden und holte sich die Trophäe vor dem Bayer Manfred Knappe und „Hülse“ Hülshorst aus Lüdinghausen.

Ein Blick zur Uhr bei Rennleiter Ronny Schlaak. „Wir liegen gut im Zeitplan, so kann es weitergehen“  Und er behielt Recht! Alles lief nach Plan: Jeder Funktionär, Helfer, Sprecher - alle am Ring taten ihr Bestes und trugen so zu diesem reibungslosen Event bei.

Nach fünf Siegerehrungen am Start und Ziel standen die beiden letzten Rennen an. Speed-Cross-Pokal und Bergringpokal – die Klassiker zu Pfingsten!
Wie immer aus drei Reihen schickten Startmarschall Detlev Landowski (mit Flaage) und Schiedsrichter Andreas Märtz (am Pult) die Fahrer auf ihre Reisen. Und diese waren an Spannung nicht zu überbieten!
Der Niederländer Daniel de Vries, aus Reihe drei startend, rollte das Feld förmlich von hinten auf - was für eine Augenweide! Runde um Runde schnappte er sich einen nach dem anderen seiner Kontrahenten und passierte unter dem Jubel der Fans nach fünf Runden die schwarz/weiß karierte Flagge als Erster. Ronny Borch aus Lukau bekam den Silberkranz umgehängt, Bert Dijkstra aus Holland komplettierte das Siegerpodest beim Speed-Cross-Pokal.

16:55 Uhr: Die letzen 12 Fahrer des Tages stehen am Vorstart. Sie bekommen die letzten Informationen zur Startaufstellung für den Lauf um den „Bergringpokal“.  Am Band stehen die vier Schnellsten des Tages, unter ihnen Paul Cooper. Er hat an diesem Tag schon alles gewonnen. Wird er zum absoluten Helden des Pfingstsonntags? Das ist die Frage, die allen auf den Nägeln brennt. In Reihe zwei haben sich sechs Fahrer aufgestellt, ganz vorn am Startberg wird an zwei Gasgriffen gedreht…
Dann die Erlösung! Nach Flaggenstart sind zwei Fahrer auf und davon. 4 Sekunden später schaltet die Ampel auf Grün, sechs weitere Grasbahnspezialisten jagen den Startberg hinauf. Und es dauert noch mal 4 Sekunden, bevor das Startband zum letzten Mal in die Höhe schnellt! Der Start- und Zielbereich gleicht einer Nebelwand, viel Staub wird aufgewirbelt. Den Streckenreportern Hans Werner Ruge und Sohn Matthias hält wohl nichts mehr auf ihren Sitzen – die Spannung steigt von Runde zu Runde…
Im Vorjahr setzte sich Cooper schon nach Runde drei an die Spitze des Feldes und gewann diesen Klassiker. Aber da waren die Zeitabstände geringer. Wird es heute sein dritter Coup?  Dann darf er den „großen“ Bergringpokal nach dreimaligem Gewinn mit auf die Insel nehmen.
Aus der 2.Reihe gestartet, setzt sich der Engländer Mitch Godden nach zwei Runden an die Spitze des Feldes. Er hat freie Sicht und der Traum vom Gewinn rückt Stück für Stück näher! Mit viel Staub hat der Rest des Feldes zu tun. Aber es kommen alle gut damit zurecht. Den 500ern ist das lieber als ein nasser Boden, auch deshalb wurde vor diesem Rennen der Wasserwagen nicht mehr auf der Bahn gesehen.
Cooper weiß, dass es 5 Runden sind, die er braucht, um ganz nach vorne zu kommen. Er muss sich seine Kräfte einteilen...
Dieses Rennen erinnert an Zeiten aus den 1970er Jahren, als der Lübbenauer Dietmar Lieschke es oftmals schaffte, erst kurz vor dem Ziel den bis dahin Führenden einzuholen.
Es wird immer spannender, Runde um Runde kommt der Engländer seinem Landsmann und Freund näher. Als die letzte Runde angezeigt wird, donnern Godden vor Cooper hintereinander den Startberg hinauf. Es gibt kein Halten mehr!  Am Hechtsprung ist der Abstand schon sehr gering, am Hans-Winkler-Hang hauchdünn. Und als beide kurz vor der Zielkurve auftauchen, hat Cooper die Führung übernommen.
Aber Godden kontert und fährt mit mehr Speed durch die letzte Kurve, übernimmt wieder die Führung und wird unter einem Jubel als Erster abgewinkt. Was für eine Dramatik! Platz drei erkämpft sich Manfred Knappe. Auch er schafft es, sich aus der „Startband-Gruppe“ nach vorne zu kämpfen. Herzlichen Glückwunsch!
Cooper: „Ich gönne Mitch den Sieg von Herzen, nächstes Jahr greife ich wieder an“! Beide Engländer liegen sich in den Armen…
Bei der Hymne für den Sieger schickt Godden einen Handkuss gen Himmel. Dieser gilt seinem  Vater Donald  Godden. "Don", so sein Rufname,  gewann 1962 und 1964 den Bergringpokal.
 
Dieser Pfingstsonntag bleibt in sehr guter Erinnerung und geht wohl auch in die Analen der Bergringgeschichte ein. Der Autor dieses Berichtes: „Es ist wohl das erste Mal, dass ein Krankenwagen nicht auf den Kurs musste. So was habe ich noch nicht erlebt. Es gab keinen Sturz. Fantastisch!“
Bei der Auswertung  nach Rennschluss hatte Sportkommissar Ludger Spils aus Vechta nur drei Wörter parat: „Perfekt, perfekt, perfekt“!
 
Es ist aufgegangen, das Konzept einer Eintagesveranstaltung.
„Der Bergring lebt, so soll es bleiben“  -  dieser Spruch hat Bestand!

Text & Foto: Peter Stanislawski

Mitch Godden (links) und Paul Cooper strahlen um die Wette